Kapitelrauschen - Der Literaturpodcast für MV

Kapitelrauschen - Der Literaturpodcast für MV

Transkript

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00:00:06: Mir hat das irgendwie gefallen, mir eine Figur zu überlegen die so ist wie wir eben alle sind.

00:00:14: Also wir sind ja alle nicht perfekt und sie ist es auch nicht.

00:00:19: Und mir hat auch gefallen über ne Frau zu schreiben die schon ein bisschen älter ist weil es dann doch irgendwie gar nicht so viel gibt.

00:00:32: Kapitelrauschen der Literatur.

00:00:34: Podcast für Mecklenburg-Vorpommer.

00:00:39: Hallo und willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts.

00:00:43: Schön, dass ihr wieder dabei seid!

00:00:45: Ich bin Nina Abrams und begrüße in dieser Folge die Wahlleipzigerin Barbara Handke.

00:00:51: Geboren in Bad im Landkreis Voppermann-Rügen zog es die Autorinnen, Lektorinnen und Dozenten nach einer Station in Rostock anschließend in die Sächse Chemitropole – wo sie neben dem aufmerksamen Blick auf ihre eigenen Texte, mehrere Bücher sind unter ihrem Namen bereits veröffentlicht auch das Schreiben anderer unter die Lupe nimmt, etwa als Lektorin wissenschaftlicher Studien oder als Leiterin von Schreibworkshops.

00:01:15: Gemeinsam sprechen wir über ihren aktuellen Roman Bernadette ändert ihr Leben, warum sie diesem einen hoffnungsvollen Ton geben wollte, über die große Frage nach KI beim Schreiben und warum Sie manchmal mit dem Gedankenlieb eugelt

00:01:28: sich als nicht-social

00:01:29: media affine Person doch noch Instagram herunterzuladen?

00:01:34: Im Anschluss spricht meine Kollegin Lisa mit der Literaturwissenschaftlerin Anne Schölke-Witte von der Uni Rostock.

00:01:41: Dafür nehmen sich die beiden Handges Roman und Protagonistin Bernadette vor, denken den Begriff des klassischen Bildungsromans weiter – auch wenn keine männliche jugendliche Figur im Zentrum steht!

00:01:56: Eine neue Folge Kapitelrauschen kommt heute aus Leipzig, wo unsere Gästin lebt und arbeitet und schreibt.

00:02:04: Herzlich willkommen Barbara

00:02:05: Handge!

00:02:06: Vielen Dank für die schöne Einladung!

00:02:08: Heute soll es um dich und deinen Schreiben gehen.

00:02:10: Und was du vielleicht sonst noch so machst, das heißt ich werde dir ganz viele Fragen stellen und dir da den Raum geben aber vielleicht zum Einstieg für die Leute, die dich noch nicht kennen ein paar Worte zu dir von mir.

00:02:22: Du schreibst Bücher gibst aber auch Workshops zum kreativen und wissenschaftlichen schreiben und wenn man sich dein Werdegang so anschaut dann finde ich merkt man dass dein Leben eigentlich schon immer von Büchern geprägt war oder es scheint zumindest so.

00:02:36: Du hast nämlich auch zum Beispiel einige Jahre als Buchhändlerin gearbeitet, nach der Ausbildung und zwar in keiner geringeren als der anderen Buchhandlung in Rostock.

00:02:44: Dann zog es sich aber nach Leipzig wo wir ja heute sind.

00:02:46: zum Studium der Anglistik- und Soziologie kann man im Internet nachlesen.

00:02:51: Du warst dann erst angestellte Verlagslektorin seit Jahrzehnteilf bis zu aber laut Eigenaussage frei beruflich Autorinnen und SchreibtrainerInnen und lektoriierst auch noch nebenbei Und hast verschiedene Bücher veröffentlicht, etwa die Erzählung Sommergäste.

00:03:05: Dann den Roman Wo ist Norden?

00:03:07: Wo es um die Nachwändezeit geht und auch Sachbücher unter anderem deine Promotions für das Jahr zwanzig wo es um autibographische Schreiben zum Beispiel bei Annie in Nogging auch sehr spannend.

00:03:17: deswegen müsste ich eigentlich sagen Doktor Barbara Handke Ich weiß gar nicht ob du das so machst oder ob du dass präferierst.

00:03:23: wie ist es da?

00:03:24: Es kommt auf den Kontext an.

00:03:25: Wenn es um literarisches Schreiben geht, ist das sehr unüblich, Doktortitel zu nennen in anderen Kontexten und der Wissenschaft im akademischen Kontext.

00:03:34: An dem ich ja auch zu tun habe da ist es schon günstig zumindest beim ersten Mal wenn man jemandem anspricht den Doktorthitel nicht so vergessen weil dann doch ein bestimmter akademischer Gratis die man erreicht hat.

00:03:48: aber es ist jetzt nicht im Alltagsleben oder ... Bestellenbrötchen.

00:03:53: Genau,

00:03:55: da spielt das keine Rolle.

00:03:56: Na

00:03:56: gut!

00:03:57: Dann es kommt auf den Kontext an und wenn wir jetzt deine Liste der Veröffentlichung noch weiter runtergehen dann sehen wir zuletzt im August-Werzehntausend hat du den Roman Bernadette endet ihr Leben bei Rohwald Wunderlich veröffentlicht um denen es heute vor allem gehen soll.

00:04:12: Das sind so die Hard Facts zu dir, damit ich jetzt aber nicht immer so viel rede.

00:04:16: Zu Anfang will ich jetzt etwas von dir wissen!

00:04:19: Hier im Podcast haben wir nämlich öfter das Format dass wir ein kleines Entweder oder mit unseren Gästinnen spielen.

00:04:25: dabei gebe ich dir zwei Optionen und du musst dich entscheiden.

00:04:28: Ich zwinge dich also dazu ein bisschen spontan zu sein.

00:04:31: Du kannst einfach nur deine Entscheidungen nennen, du kannst ja auch noch gerne erklären wenn dir da so was einfällt.

00:04:37: Und deshalb die Frage an dich bist du bereit für das entweder oder?

00:04:40: Ja

00:04:41: Ich bin gespannt.

00:04:42: Die erste Frage ist vielleicht einfach zu beantworten, ich weiß es nicht.

00:04:46: auf Papier oder am Computer schreiben was machst du eher?

00:04:49: Beides!

00:04:50: Es kommt ganz auf den Kontext an also Notizen eher direkt erst mal auf dem Papier.

00:04:58: allerdings wenn es um längere Textpassagen geht habe ich das Problem dass meine Schrift nicht mehr ein Zifferbar isst Also auch von mir

00:05:05: nicht.

00:05:07: Insofern hilft mir da schon, dass es auch Tastaturen gibt und das kommt auch meiner Eile die ich dann manchmal habe sehr entgegen.

00:05:16: Jetzt hast du schon Notizen genannt.

00:05:18: anschließend dazu die Frage Zettelkaus oder alles im Ordner?

00:05:22: Da stellst du wirklich eine sehr interessante Frage, die mich sehr interessiert denn ich hab so eine innere Sehnsucht meine ganzen Notizen immer sehr gut zu sortieren.

00:05:34: wenn ich das aber mache dann habe ich sie oft auch schon weggeheftet und damit hat sich die Sache erledigt.

00:05:40: Damit ist das Material für mich nicht mehr in so einem Raum, in dem ich damit wirklich gut arbeiten kann.

00:05:47: Das heißt wenn ich das Chaos mehr zulasse, dann sortiere ich es eher im Buch was ich gerade schreibe.

00:05:56: Nächste Frage?

00:05:57: Mecklenburg oder Sachsen

00:06:00: Leipzig an der Ostsee wäre das Optimum?

00:06:05: Ja, damit nimmst du nämlich meine

00:06:06: nächste Frage vorweg.

00:06:07: Weil die wäre dann Rostock oder Leicht nicht gewesen aber du brauchst es dir zusammen.

00:06:15: Ja weil einem das Meer fehlt?

00:06:18: Ja das Meer ist wirklich eine Sache.

00:06:21: also was so die Natur betrifft finde ich Mecklenburg oder ich komme ja sogar aus Vorpommern dieses flache Land mit dem großen Himmel und natürlich der Ostsee.

00:06:35: Das ist schon eine Landschaft, die mir mehr sagt als jetzt die sächsische Landschaft.

00:06:40: Obwohl es hier auch ganz schöne Ecken gibt.

00:06:42: aber gerade so um Leipzig rum ist das ja ein bisschen dürftig.

00:06:52: Okay kommen wir zurück zur Literatur in die Bibliothek

00:06:55: gehen oder

00:06:56: alle Bücher kaufen?

00:06:58: Das ist auch wieder sowohl als auch.

00:07:03: Kann man also so nicht sagen?

00:07:04: Nee.

00:07:06: Arbeiten lieber tagsüber oder nachts?

00:07:10: Ich arbeite tagsüber, vormittags aber im besten Fall arbeitet es weiter in der Nacht!

00:07:21: Das kenne ich von mir.

00:07:22: Als ich meine Masterarbeit geschrieben habe lag ich manchmal im Bett und war so... Die Quelle brauche ich noch.

00:07:27: Und dann schaust du es mir ein!

00:07:31: Man denkt irgendwie weiter dabei, auch wenn man gar nicht quasi am Arbeiten ist.

00:07:36: Okay, anschließende Frage – Lektorieren oder Promovieren?

00:07:40: Promoviern….

00:07:43: Lektorian ist wirklich eine Dienstleistung die man für andere vollbringt und die ist dann besonders erfüllend, wenn der Text den man bearbeiten kann sehr viel Potenzial hat und sehr schön ist.

00:07:57: Das ist aber nicht immer so, also es gibt viele Texte die eher Gebrauchstexte sind oder wo jemand eine Studie kurz darstellt.

00:08:06: Und da is'n ich immer soviel drin!

00:08:09: Dann kann das auch ein bisschen mühsam sein... Es ist nicht immer gut geschrieben gerade.

00:08:16: Ich elektorier viel wissenschaftliche Sachen und mir fällt dann doch sehr auf dass viele, die in der Wissenschaft etwas werden nicht unbedingt gleichzeitig musische Menschen sind.

00:08:27: Ja das sind andere Qualitäten und ich leide denn schon drunter dass die Sprache dann oft gar keinen Klang hat und das kann ich natürlich nicht alles rauslektorieren um das ein bisschen schöner zu machen.

00:08:42: Fickst du dann Wörter hinzu oder ist dir das quasi verboten?

00:08:46: Ich mache viele Vorschläge und ich füge auch was hinzu.

00:08:48: Da macht Streichungsvorschläger oder Ersatz, aber das sind natürlich immer Vorschlage, weil das ist ja nicht mein Text.

00:08:56: Das

00:08:58: stimmt!

00:08:58: Und ja, das ist eben sehr unterschiedlich.

00:09:02: wenn die Texte sehr viel mit sich bringen dann lerne ich auch etwas dabei, aber andersrum.

00:09:08: es ist eben auch häufig dass es eher eine Art von... Ja, also für alle Seiten so eine Art von Pflichtübung ist und auch für die Autoren nicht immer so besetzt es mit etwas ganz Positiven.

00:09:23: Dass sie diesen Text schreiben mussten.

00:09:25: Das merkt man dann schon auch.

00:09:28: Nächste Frage?

00:09:29: Lesezeichen oder Eselsohr?

00:09:31: Kliebezettel- und Bleistift.

00:09:33: Lass ich auch gelten!

00:09:36: Und letzte Frage Bücher verkaufen oder Bücherschreiben?

00:09:43: Einfache

00:09:43: Antwort, die Antwort kam ganz schnell.

00:09:46: Ja mit der wollte ich natürlich auf deine Ausbildung als Buchhändlerin anspielen, die du damals in Rostock gemacht hast habe ich ja eben schon bei deinem kurzen Werdegangsabriss gesagt.

00:09:55: Ich hab mich da gefragt und ich meine so eine ausbildung als buchhändlerin macht man ja nicht einfach.

00:09:59: so wurde da deine leidenschaft für Bücher und vielleicht auch fürs schreiben geweckt?

00:10:03: oder gab es dir schon vorher?

00:10:05: Hast Du vielleicht sogar schon geschrieben zu dem Zeitpunkt?

00:10:07: oder wie kam das?

00:10:08: Also ich habe Bücher schon lange sehr geliebt, bevor ich die Buchhandler-Ausbildung angefangen hab.

00:10:16: Und ich habe auch schon viel geschrieben wobei mein Schreiben über ganz lange Zeit eigentlich nur aus Tagebuch und Briefbestand.

00:10:25: Ich habe nicht Geschichten oder Romane oder sowas geschrieben sondern einfach versucht die Dinge, die mir auffielen irgendwie in Worte zu fassen.

00:10:35: das hat mich immer interessiert auch diese etwas verlangsamte Art, weil schreiben dann doch ein anderer Modus ist des Denkens.

00:10:44: Man kommt immer auf was anderes wenn man Dinge aufschreibt als wenn man sie erzählt.

00:10:49: beispielsweise und lange Zeit habe ich so wie man so als ganz junger Mensch so rumträumt.

00:10:56: Ich wäre gerne Schriftstellerin oder so aber ich wusste überhaupt nicht wie man das anfassen soll was man dafür tun muss.

00:11:04: Und ich habe einfach viel gelesen und immer Sachen geschrieben, die Buchhändler-Ausbildung kam eigentlich zustande, weil ich in der anderen Buchhandlung kunden war.

00:11:15: Ich bin jede Woche in die andere Buchhandelucke gegangen, hab mir ein Buch gekauft und hab's gelesen.

00:11:20: Und irgendwie gefiel mehr das da!

00:11:23: Und irgendwie war auch mit dem Studium, was ich angefangen hatte...

00:11:27: Ach so, da gab es schon

00:11:28: alles?

00:11:28: Da gab es

00:11:28: alles.

00:11:30: war ich so unzufrieden und kam damit nicht zurecht, dass ich dann irgendwie gedacht habe, ach, ich werde einfach auch Buchhändlerin.

00:11:38: Und hab's auch nie bereut – das war eine tolle Zeit!

00:11:42: Ich bin immer noch mit den Leuten, die dort mit mir gearbeitet haben befreundet.

00:11:47: also das ist ne sehr langfristige Liebe gewesen.

00:11:52: Und ich hab aber auch gemerkt, öfter mal Zeiten brauche, wo ich für mich allein bin.

00:12:01: Und in der Buchhandlung stand ich immer vorne und auch was dann zu verarbeiten war im Hintergrund fand alles statt In diesem Verkaufsraum.

00:12:11: Ich war immer ansprechbar Für eine Kundschaft die jederzeit rein platzen kann quasi.

00:12:17: Da habe ich gemerkt dass mich das nervös gemacht hat und Das hat mich viel Kraft gekostet und das war dann eigentlich der Grund oder einer der Gründe, warum ich dann gemerkt habe das ist vielleicht doch nicht der Beruf den ich jetzt den Rest meines Lebens machen kann.

00:12:32: Ich

00:12:32: hab dann kurz in Paris an einer Buchhandlung mitgearbeitet bei Shakespeare & Company.

00:12:38: Ah ja, das kennt man

00:12:40: ja!

00:12:42: Damals lebte der alte Inhaber noch, inzwischen hat das ja seine Tochter übernommen.

00:12:47: Ich war grad da und hab's mir mal angeguckt... Das ist jetzt ganz teuer geworden!

00:12:51: Also damals war das noch alles viel schrappeliger.

00:12:56: Jetzt ist es aber eben ganz gut.

00:12:58: in den Händen habe ich gesehen.

00:13:01: Es war einfach eine lustige Zeit, da ein bisschen mitzumachen.

00:13:04: Wie kommt man

00:13:05: darauf?

00:13:05: Bist du einfach hingefahren und hast gesagt hier bin ich oder wie?

00:13:08: Ja, genau so war das damals.

00:13:10: Genau, der war so gedacht.

00:13:13: Und dann waren noch viele andere aus aller Welt, die auch irgendwie schreiben wollten oder sich irgendwie für Literatur entziehen.

00:13:20: Alles

00:13:20: verkappte Schriftstelle!

00:13:21: Ja,

00:13:24: cool.

00:13:24: Und dann

00:13:25: haben wir uns da eine Weile die Zeit vertrieben und das war eigentlich die einzige Zeit in der ich als Buchhändlerin auch mal gearbeitet habe obwohl das unbezahlt war.

00:13:33: also das war gegen Übernachtungsmöglichkeit

00:13:36: In der Buchhandlung genau.

00:13:38: Zwischen den Büchern,

00:13:40: ich hatte immer eine Liga in der Russian Section.

00:13:44: Irgendwie romantisch aber vielleicht ein harte Liege klingt so und das

00:13:48: ist auch nicht so oft die Dauer,

00:13:49: irgendwie fehlt dann

00:13:51: ja auch bisschen der Privatraum, den

00:13:53: man braucht.

00:13:55: Aber wenn du jetzt an diese Ausbildung und vielleicht auch die Arbeit als Buchhändlerin zurückschaust, da lernt man doch bestimmt einiges über die Ins-and-outs des Buchtbetriebs?

00:14:06: Sind das so Wissenssachen, die dir heute auch noch was bringen?

00:14:10: Man muss aber eigentlich das Buch quasi so bewerben damit die Leserin und Leser das im Laden auch mal in die Hand nehmen.

00:14:17: Was hast du da quasi mitgenommen?

00:14:19: Also im Prinzip weiß ich darüber tatsächlich einiges und kann es überhaupt nicht anwenden.

00:14:26: Ich

00:14:27: weiß nicht warum!

00:14:27: Ich habe überhaupt keine richtige... Ich hab dann nicht so'n Gefühl dafür wie ich für meine Bücher werben kann oder in Ziele setzen kann.

00:14:38: Also mir fällt das wirklich schwer und ich wünsche mir eigentlich immer, dass andere das machen.

00:14:42: Aber es ist ja auch als Autorin in einer idealen Welt nicht unbedingt deine Aufgabe oder?

00:14:47: Ja, also verstehe ich schon.

00:14:49: Ja, auch gerade für die eigenen Sachen!

00:14:51: Es ist noch ein bisschen einfacher für fremde Bücher etwas zu tun aber gerade beim eigenen.

00:14:59: man hat dann irgendwie eben so einen Innenblick auf auf so einen Text und eine eigene Motivation, das geschrieben zu haben.

00:15:08: Und ich kann das manchmal schwer zusammenbringen mit so Zielgruppen.

00:15:14: Okay!

00:15:18: Ja du hast dann nach diesen Episoden in Rostock und Paris.

00:15:21: also finde ich ja wirklich ganz toll dich weiter mit Büchern beschäftigt?

00:15:25: Also du hast auch mal gesagt im Interview habe ich das gelesen Ich zitiere da jetzt aus dem Artikel Barbara Hand gebaubtet von sich ohne Bücher nicht leben zu können Bist du bei den Büchern geblieben unter anderem als Lektorin in einem Leitziger Verlag?

00:15:38: Da denk ich bekommt man ja bestimmt auch ein besseres Gespür, so fürs Schreiben als Handwerk.

00:15:43: Weil man ja eigentlich wie du eben auch schon beim wissenschaftlichen Lekturieren gesagt hast weil man ja versucht die Texte von anderen besser oder noch besser zu machen.

00:15:53: und dann hast aber irgendwann angefangen mit den Workshops.

00:15:56: Weil du dir gedacht hast okay ich

00:15:58: denke dass

00:15:58: jeder das lernen kann.

00:15:59: oder was war die Motivation dahinter?

00:16:03: Ja, also zum einen ist das so.

00:16:05: Es können ja alle Leute sprechen und dann können sie auch schreiben?

00:16:08: Also es jetzt ...

00:16:10: Bei dir klingt es so zwingend!

00:16:13: Ja, also es ist natürlich immer die Frage was strebt man an?

00:16:17: Also will man jetzt zuschreiben dass man Anwärter auf den Nobelpreis ist dann sind das natürlich sehr wenig Menschen.

00:16:27: Die nicht meine Träume

00:16:30: sind und dazu gehöre ich ja auch nicht.

00:16:34: Aber ich denke grundsätzlich sich schriftlich auszudrücken jeder lernen kann und von der auch jeder profitieren kann, weil wir natürlich gerade beim schreiben noch mal eine andere Möglichkeit haben unser Denken zu schärfen.

00:16:50: Also grad das Schreiben hat so viele Optionen.

00:16:53: man schreibt etwas hin und dann liest man es nochmal durch und stellt fest nie dass der Gedanke der ist noch gar nicht wie ich ihn haben will.

00:17:00: und dann schreibt man das nochmal um findet andere Wörter und auf einmal hat man seinen eigenen Gedanken erst begriffen.

00:17:08: Also es ist selbst ein Reflektionswerkzeug, dass ich nur allen empfehlen kann.

00:17:14: Und deswegen würde ich auch davor warnen immer alles mit der KI zu schreiben, weil man natürlich dann diese Praxis gar nicht einüben kann wenn man sich zu schnell dann dieser Abkürzung gönnt.

00:17:28: Nun nutzt du eigentlich KI oder wie stehst du dazu?

00:17:31: Ja sehr wenig also zum Schreiben nicht.

00:17:34: Also das ist wirklich eine Sache, die kann ich so

00:17:39: hoch.

00:17:39: Brauchst du die gerade?

00:17:41: Das will

00:17:41: ich auch nicht verlernen!

00:17:43: Da will ich es mir jetzt nicht zu einfach machen.

00:17:46: Aber ab und zu nutze ich mal sowas wie eine Übersetzung app oder solche Sachen dann auch schon... Aber beim Schreiben bin ich ein bisschen vorsichtig und denke mir, man muss auch ein bisschen aufpassen.

00:18:00: Unser Denken ist eben auch verbunden damit wie wir Sachen ausdrücken und wie wir eigentlich lernen das was wir an Gefühlen haben oder was wir sehen oder was für denken dann auch zu symbolisieren und dass es nicht so einfach.

00:18:16: und diese Praxis kann man lernen Und in den Kursen versuche ich das auch und mache es auch zunehmend, dass es um viele Textarten geht.

00:18:26: Die gerade dieses Schreiben als Werkzeug für alles Mögliche betonen.

00:18:34: zum Beispiel bei einer Dissertation kann man ganz guten begleitenden Text die ganze Zeit dazu schreiben.

00:18:40: Das habe ich auch gemacht.

00:18:42: Dass man alles was ein umtreibt an Ängsten oder an Hemmungen oder an Gedanken, die man vielleicht auch noch gerne unterbringen würde.

00:18:52: Erst mal in eine Datei schreibt, die gar nicht zum Veröffentlichen ist.

00:18:57: Ja okay interessant!

00:18:58: Das heißt ich würde da quasi alles abladen was mich... ja wie sage ich das jetzt?

00:19:03: Was das noch so Verdunstet, was es dann nicht klar macht und im Idealfall sehe ich danach so kompretisierter.

00:19:12: Das geht für inhaltliche Fragen.

00:19:15: also wenn man in der Dissertation eine bestimmte Frage noch nicht richtig geklärt hat die kann man dabei arbeiten und man kann das aber auch mit den eigenen Ängsten machen.

00:19:25: Da kann man einfach, indem man jeden Morgen erst mal diese völlig unbedarfte Datei aufmacht die sowieso nie jemand liest.

00:19:33: Einfach morgens direkt ins Schreiben finden.

00:19:36: und ich habe gemerkt also ich hab es ja ausprobiert und habe meine Dissertation relativ zügig zu Ende gebracht und habe gemerkt dieses Zusatz schreiben hat es eben nicht verlängert, sondern im Gegenteil diese langen Blockaden die manchmal einsetzen können dann gar nicht erst aufkommen lassen.

00:19:55: Ja,

00:19:56: nie erfinde ich aber total sinnhaft weil ich hab auch mal

00:19:59: von diesen

00:20:00: Philosophen Slavoj Gizek Inwiefern dir der bekannt ist.

00:20:05: Der ist ja auch irgendwie so eine stillende Figur, der hat mal erzählt in der Dokumentation wenn er schreibt hatte auch immer Angst dass erst jetzt sofort perfekt schreiben muss und hat Angst vor dem weißen Blatt quasi.

00:20:14: und dann sagt er sich immer gut Dann schreibe ich jetzt erstmal die Rohfassung und die is shit also wie er es gesagt hat.

00:20:21: Und dann schreibt er und schreibt ja, und dann merkt er nach.

00:20:23: Oh!

00:20:24: Er hat's jetzt schon geschrieben?

00:20:25: Das ist vielleicht gar nicht so schlecht und quasi das erst mal besser ist in Schreiben zu kommen als überhaupt nichts zu schreiben.

00:20:30: also dass da glaube ich einfach viel auch

00:20:32: so

00:20:32: Ängste und so und vielleicht wenn ich es jetzt noch nicht perfekt schreibe und so mit rein spielen, dann nimmst du die Leute quasi ein bisschen mit.

00:20:40: Genau, also das ist ein ganz klassischer Top-Boss.

00:20:42: Also gerade dieser Shiti oder Messi

00:20:46: First Draft

00:20:47: und so... Das hört man oft so.

00:20:50: Und es ist natürlich trotzdem grässlich, wenn man was schreibt und dann den Eindruck hat das ist nicht richtig gut.

00:20:56: Man muss damit auch auskommen.

00:20:59: Also man muss schon eine Form von Demut lernen.

00:21:04: Dass man das, was man erst mal aufschreibt, ist nur das, dass man gerade im Kopf hat.

00:21:09: Das ist so gut kann man's grad erst machen.

00:21:13: Da hilft der Gedanke sich zu sagen später kann ich das nochmal überarbeiten.

00:21:19: Ja total!

00:21:20: Und dennoch ist es auch so, man ist ja später nicht mehr in dem Gedanken drin sondern in einem anderen Gedanken und dann sieht die ganze Sache schon ganz anders aus.

00:21:29: Also oft ist es da tatsächlich so dass es gar nicht so viel Überarbeitung braucht.

00:21:35: also manchmal schon aber

00:21:36: manchmal auch nicht.

00:21:38: Da kommt dann das Lektorat von dir und streicht.

00:21:42: Toll, dass du diese Techniken gefunden hast und die auch quasi in deinen Workshops weitergibst.

00:21:47: und offensichtlich funktioniert es für dich denn du hast jetzt ja schon einige Bücher veröffentlicht, Sachbücher wie gesagt deine Promotion, romane Erzählungen.

00:21:55: Zuletzt eben Bernadette Endet ihr Leben was im letzten August bei Rohwald in einem Imprint herausgekommen ist über das wir jetzt ein bisschen näher sprechen wollen.

00:22:05: Kurz gesagt, warum geht es in?

00:22:07: Bernadette Endett ihr Leben?

00:22:09: Die Titel geben die Figur.

00:22:10: Lebt mit ihrer Tochter in Dresden und scheint irgendwie festgefahren.

00:22:14: also sie ist Journalistin aber da hat sich irgendwie so ein bisschen gescheitert.

00:22:17: In der Redaktion des Magazins für das sie schreibt wurde sie irgendwie weil sie Auch ein Schreibblogger, der tatsächlich hatte.

00:22:23: Zum Mädchen für alles degradiert.

00:22:25: Seit ihrer Scheidung will sie auch irgendwie eine neue Partnerschaft, will irgendwas ändern aber das hat noch nicht geklappt.

00:22:30: also kurzum ihr fehlt die Perspektive.

00:22:33: und dann tut sich aber eine Möglichkeit auf und zwar soll sie statt einer Kollegin, die ja auch ne Freundin von ihr ist, für eine Reportage nach Madrid fahren und da quasi in Vertretung... Notizen machen und die Eindrücke aufnehmen.

00:22:47: plötzlich in dieser fremden großen Stadt auf sich alleine gestellt, ändert sich auf einmal einiges für sie wie auch der Titel sagt.

00:22:54: Und Schritt-für-Schritt hinterfragt sie dann ja... ...wie sie sich bisher eigentlich durchs Leben bewegt hat und tatsächlich kommen dann auch diese Gänge so bisschen ins Rollen?

00:23:03: Und ich muss sagen es hat total Spaß gemacht Bernadette bei ihrem Trip Man könnte jetzt sagen, Selbstfindung irgendwie zu begleiten.

00:23:10: Weil sie ja auch so schön unperfekt ist und man vielleicht einige der Zweifel die sie da so hat oder Gedankengänge auch schon mal von sich selbst kennt und schonmal hatte?

00:23:20: Wie würdest du denn Bernadette die Hauptfigur beschreiben?

00:23:23: warum wolltest du von ihr erzählen von dieser Journalistin Anfang Mittevierzig ist ja vielleicht, die da irgendwie in Dresden unzufrieden ist.

00:23:33: Ja mehr hat das irgendwie... gefallen mir eine Figur zu überlegen, die so ist wie wir eben alle sind.

00:23:42: Also wir sind ja alle nicht perfekt und sie ist das auch nicht.

00:23:48: Und mehr hat auch gefallen über eine Frau zu schreiben, die schon ein bisschen älter ist weil es dann doch irgendwie gar nicht so viel gibt.

00:23:59: also Die wesentlichen Sachen passieren dann doch in jüngeren Jahren.

00:24:05: Wenig Bücher, wo ich das so erkennen kann.

00:24:07: Dass die Probleme dir... Das Leben ist ja zum Glück ein bisschen länger geworden

00:24:13: mit der Arbeit.

00:24:14: Und es

00:24:14: gibt andere Lebensabschnitte und darüber wollte ich schreiben.

00:24:18: Hattest

00:24:18: du da so andere Bücher als Inspirationen?

00:24:21: Wo du das schon gesehen hast, wenn du meinst, dass gibt nicht so viele?

00:24:24: Ja also Es gibt natürlich schon Bücher darüber und ein Buch, was mich sehr interessiert hatte war von Deborah Levy.

00:24:33: Was das Leben kostet?

00:24:35: Da schreibt sie allerdings über sich selbst, über eine Veränderung in ihrem eigenen Leben Und das war wahrscheinlich ein bisschen der ausschlaggebende Punkt, dass ich dann auch noch mal überlegt habe.

00:24:47: Ja irgendwie ist diese Lebensphase auch interessant.

00:24:50: Ich selbst bin älter als Bernadette Also ich hab praktisch zurück geschaut und fand es aber irgendwie angenehm mir so eine Figur zu überlegen die anders ist als ich.

00:25:04: Und sie hat auch an vielen Stellen wirklich ein ganz anderes Leben, also sie ist allein erziehend... Ich habe zum Beispiel gar keine Kinder oder sie ist geschieden und ich bin glücklich verheiratet.

00:25:18: Also wir haben

00:25:18: da sehr unterschiedliche Grundsituationen.

00:25:22: aber ich brauche auch immer ein bisschen Distanz und Abstand zu meinen Figuren und gleichzeitig fand ich eben schön dieses Gefühl von Stagnation, dass ich dann wiederum auch kenne.

00:25:36: Mal zu bearbeiten und zwar auf so eine ganz positive Weise.

00:25:40: also ich wollte gerne... Also es war kurz nach der Corona-Zeit und die ganze Weltlage ist komisch und alle haben irgendwie so schlechte Laune und ich wollte unbedingt was schreiben, was anders ist.

00:25:55: Nicht weil ich leugne das die Situation nicht einfach ist sondern Weil ich denke, es gibt trotzdem immer noch Sachen die gut sind oder die wir selber bestimmen können.

00:26:06: Und gerade in unserem Privatleben ist ja ein Wirkungskreis, indem wir auch nochmal was selber entscheiden können und ganz so hoffnungslos ist die Lage vielleicht doch nicht.

00:26:20: Ich wollte gerne irgendwie gegen diese Frustration anschreiben und was ermutigendes und Fröhliches schreiben, eben von einem Ausgangspunkt der nicht so super ist.

00:26:33: Von da aus hat sich eben, das ist eben eher eine Komödie die ich hier geschrieben habe und man merkt es ja auch am Titel Bernadette ändert ihr Leben.

00:26:41: Das wird jetzt wahrscheinlich nicht ein schlechtes Ende nehmen.

00:26:44: Ja, da sagst du schon was auf dass ich ihn noch kommen wollte weil wenn du sagst bisschen etwas hoffnungsvolleres und irgendwie was Positives mit reinbringen.

00:26:51: Wenn man jetzt ins lesen kommt Und als ich das Buch gelesen habe Auf den ersten Seiten Da ist ein ganz schönes Tempo drin von wie die Verhältnisse geschildert haben Man wird direkt reingeworfen Hier is Bernadett hier ist ihre Tochter, die zu ihrem Vater ziehen will.

00:27:05: Das klappt irgendwie auch alles nicht.

00:27:06: Ihre Freundinnen bei denen es irgendwie scheinbar besser läuft.

00:27:09: Die Job-Situation.

00:27:10: Irgendwie ist das am Anfang alles ganz schön deprimierend.

00:27:13: Du wolltest aber trotzdem was Hoffnungsvolles machen?

00:27:17: Die Frage zu stellen wird also jetzt alles besser für Bernadette.

00:27:20: Ist vielleicht ein bisschen platt.

00:27:21: Aber vielleicht können wir auch mal gleich reinhören wie das klingt wenn Bernadett ... Vielleicht ihr Leben ändert, denn wir haben ja auch öfter hier ein bisschen Ausschritte.

00:27:31: Leser-Ausschritten aus den Büchern von den Autorinnen und Autoren die bei uns zu Gast sind und wir haben uns entschieden dass wir auch was von Bernadette erzählen wollen.

00:27:39: du wirst gleich etwas einlesen.

00:27:41: vielleicht kannst du am Anfang kurz erzählen wo wir uns jetzt befinden das die Leute wissen was wir jetzt gleich hören werden.

00:27:48: Wo sind wir im Buch?

00:27:52: Genau, der Anfang kann natürlich nicht gut sein.

00:27:54: Sie brauchen natürlich Gründe um ihr Leben ändern zu wollen...

00:27:58: Die Fallhöhe, die berühmt sich.

00:28:01: Genau nur andersrum ne?

00:28:04: Stimmt!

00:28:06: Genau Bernadette ist also der Name Bernadett, der ist auch irgendwie so irritierend gewesen weil ich gar keine Bernadettes kenne.

00:28:15: Wie kamst du denn drauf?

00:28:16: Und das weiß ich nämlich nicht, wie ich draufkam.

00:28:19: Der Name war da!

00:28:20: Er wollte unbedingt verwendet werden und ich bin dem nachgegeben und mir gesagt gut diese Figur will jetzt Bernadette heißen und irgendwann fiel er dann auf.

00:28:32: na klar das soll in Madrid spielen und Madrid hat eben im Stadtwappen diesen kleinen Beeren Und Bernadette heißt nichts anderes als die Kleine, die so stark ist wie ein Bär.

00:28:45: Also da hat offensichtlich

00:28:47: irgendwas

00:28:47: am Unbewussten drauf behaart, dass die Stadt und diese Figur etwas miteinander zu tun haben.

00:28:56: Das erschließt sich aber immer alles erst in Nachrichten.

00:28:58: Ja also möglich ne?

00:28:59: Also das hätte ich nicht planen können.

00:29:03: Auf jeden Fall ist Bernadett jetzt schon in Madrid angekommen an dieser Lesestelle Und sie hat auch schon in einer Buchhandlung ein Buch gekauft, in einer internationalen Buchhandelung.

00:29:15: Sie kann nämlich gar kein Spanisch und ein Buch was sie zu Hause niemals gekauft hätte.

00:29:21: Sie ist also schon völlig offen für ganz neue Einflüsse und das ist ausgerechnet eine Nitsche Biografie gewesen.

00:29:30: Wie dass dazu gekommen ist... Das lese ich jetzt nicht vor sondern ich lese es jetzt vor wie sie so ihre Tage Dort verbringt.

00:29:38: Sie ist im Oktober da, aber es ist noch sehr sommerlich.

00:29:43: Bernadette verbrachte die letzten verspäteten Sommertage auf Soroyas Gartenbank.

00:29:50: Nachdem sie das Gesicht so lange in den Sonnen gehalten hatte wie es zur Vollständigen durch Sonntag brauchte, versuchte sie die flimmernden Muster zu zeichnen, die sie unter den Augengliedern gesehen hatte.

00:30:04: Dass sie hier im Herz der Schönheit die Augenschloss, erklärte sie sich mit dem Gefühl der Sicherheit, dass diese Schönheit schuf.

00:30:14: Hier musste sie nicht wachsam sein – Sie befand sich ja im Paradies, das sie damals bei Magazin gesucht und nicht gefunden hatte.

00:30:25: Sie merkte wie sehr sie die Schönheit brauchte weil sie die Sicherheit brauchte und in einer immer nur gefährlichen Welt nicht leben konnte.

00:30:36: Hier aber war sie an einem Ort, an dem Sie auf zu blühen begann.

00:30:41: Es wäre auch Sie ein Gewächs dieses Gartens!

00:30:45: Ihr fehlte nichts wenn Sie mit geschlossenen Augen da saß und auch nichts wenn sie die Augen öffnete um sich an den Mustern auf der Oberfläche des Brunnenwassers so versuchen.

00:30:59: Sie probierte auch die Formen der dort treibenden Blätter zu skizzieren und die Bewegung eines Kindes auf der Treppe, das mit den Armen eine dreidimensionale Acht in die Luft

00:31:12: schrieb.

00:31:14: Sie vergaß Spezialkaffee und Telefon all ihre eigentümlichen Bedürfnisse weil kein Ersatz dem mehr nötig war.

00:31:24: Karen, die manchmal vorbeikam und sich zu ihr setzte machte Vorschläge zur Verwendung des Gizzen.

00:31:32: Sie sah Geschenkpapiere in gelb, rot und orange vor sich oder Blusen- und Sommerkleider.

00:31:40: Bernadette fühlte sich davon angespornt immer neue Muster und Ornamente zu finden.

00:31:46: Carens Einfluss tat ihr gut denn ihr selten hatte mal jemand so großes Zutrauen in sie gehabt.

00:31:54: an die wenigen Ausnahmen erinnerte sich Bernadett genau und ihr das auch vermittelt.

00:32:02: Karrens Art auf die Welt zuzugehen war irgendwie neu, obwohl dieses Neue vor allem darin zu bestehen schien das Karren selten etwas zu kritisieren fand weder an anderen noch an sich selbst.

00:32:18: Derart vor abschätzigen Urteilen geschützt konnte Bernadette ihre Bilderwelt einfach wachsen und gedeihen lassen.

00:32:27: Nach und nach fühlte sich ihr Skizzenheft wurde zum Speicher ihrer Eindrücke und zum ersten handfesten Beweis ihrer sich entfaltenden Kunst.

00:32:39: Sie war noch da, ihre Schüpferkraft dachte sie mit einigem Stolz.

00:32:45: Auf der Bank in der Sonne hätte Bernadette endlich die Notizen für Lothar machen können – doch sie konnte sich einfach nicht durchringen!

00:32:55: Immer wenn sie Anlauf nahm, machte sie doch etwas anderes Verbesserte eine Zeichnung oder holte ihr Buch heraus, obwohl er die Lektüre schwer fiel.

00:33:06: Sie war nicht für die Philosophie geschaffen – verstand oft nichts was Nietzsche meinen könnte – zumal der Biograph zu wenig erläuterte, wenn er die Werke zusammenfasste.

00:33:19: und doch stieß sie immer wieder auf Setzer, die sie auf eine belebende Weise irritierten.

00:33:26: So las sie verwundert Wer nur macht, was das Schicksal für ihn vorgesehen hat, verhält sich wie ein Automat.

00:33:36: Doch wer glaubt, nur dem eigenen Willen folgen zu können, verwechselt sich mit einem Gott.

00:33:44: Der Mensch dachte Bernadette war also nicht ganz frei, konnte aber versuchen, ein bisschen weniger Automat und ein bisschen mehr wie ein Gott zu sein.

00:33:55: Wieder ging alles noch nichts!

00:33:58: Sie merkte, wie sie dieser Gedankengang beschäftigte und das in ihm etwas steckte, was sie schon längst hätte wissen sollen.

00:34:07: In diesem Buch ging es gar nicht um Gedankenspiele sondern um etwas Praktisches, was zu denken das Leben besser machte.

00:34:16: Ihr Schicksal reimte sie sich zusammen.

00:34:19: als ihr auf ihrer Bank weiter rückte, um nicht im Schatten zu sitzen bestand wohl aus ihrer Herkunft, ihrer gescheiterten Ehe, ihrem Alter und ihrer vermasselten Karriere.

00:34:32: Ihre Freiheit darin – aus allem was übrig blieb – etwas Neues zu machen.

00:34:38: Denn sie war ja noch da!

00:34:40: Solange sie lebte konnte sie sich auf das konzentrieren, was gerade ging.

00:34:46: Und seit sie in Madrid war schien auf einmal ziemlich viel

00:34:50: möglich.".

00:34:51: was für ein fulminanter letzter Satz.

00:34:54: Danke Barbara, dir fürs Einlesen!

00:34:56: Was ich beim Lesen vom ganzen Buch mochte total und was aber auch hier in dem Ausschnitt herauskam deswegen habe ich Ihnen ja vorgeschlagen zum Einlesenen ist dass man Bernadette quasi ständig beim Denken und Zweifeln begleitet.

00:35:09: also sie nicht so krass gefestigt in dem, was sie über sich denkt.

00:35:13: In dieser Phase des Lebens, wo wir sie begleiten dürfen?

00:35:15: Also das Houndess-Boris ist schon so, dass von ihren Gefühlen ehrlich erzählt wird.

00:35:20: Sie isst da hart mit sich im Gericht.

00:35:22: Sie sagt hat eine vermasselte Karriere

00:35:24: und...

00:35:24: ...ist total beeindruckt von ihrer Freundin Karen, die sie kennenlernt und nimmt sich vor mehr wie sie zu sein oder wie andere Leute diese da trifft.

00:35:31: also denkt oft eigentlich über ihre vermeintlichen Unzunänglichkeiten nach und

00:35:36: ich denke es ist ja dann auch

00:35:37: Vielleicht schwierig dann, die Balance zu halten beim Schreiben mit.

00:35:40: was sind die Hoffnungsformumente und was denn die ehrlichen Momente von Bernadette.

00:35:44: Wie hast du da zum Erzielen gefunden?

00:35:46: Zu diesem ja doch besonderen Sound.

00:35:49: Ich habe länger rumprobiert also ganz am Anfang war das eine Ich-Erzählung.

00:35:55: Habe ich mich auch gefragt warum es keine ist.

00:35:58: Und

00:35:59: irgendwie wollte ich aber noch die Perspektive einer zweiten Figur mit einbringen.

00:36:05: Da hätte ich dann noch eine zweite Ich-Erzählerstimme einbringen müssen.

00:36:11: Das hat mir da nicht gefallen, da war mir der Bruch zu groß und am Ende fand ich auch diese dritte Person gar nicht so schlecht weil man... Also es ist ein bisschen konventioneller finde ich wenn man in der dritten Person erzählt aber irgendwie hat's doch funktioniert eher über das Ausprobieren dass ich dann einfach den Anfang nochmal umgeschrieben hab und irgendwann war dann vom Gefühl her dies das Richtige, also das saß dann besser.

00:36:44: Also es ist dann gar nicht so ja aus dem Kopf gekommen sondern eher ein bisschen eher die Intuition, was die dann gesagt hat... Das ist jetzt doch der bessere Weg, so zu erzählen.

00:37:00: Also da doch Teil vom Schreibprozess?

00:37:02: Wenn wir jetzt beim Schreibprozess noch mal kurz bleiben oder vielleicht auch zu der Motivation überhaupt das Buch überhaupt zu schreiben, bin ich auch im Zugebeiner Recherche zu dir und dem Buch auf eine Aussage gestoßen wo du meintest und dich eben sehr interessant fand dass du auch von leichteren Themen erzählen wolltest.

00:37:21: Wo ich ein bisschen irritiert davon war weil ich mir dachte

00:37:24: eigentlich

00:37:25: ist es eine Sinnkrise bei einer gestandenen Frau in ihren Vötzgern wie Bernadette sie ist doch gar nicht so leicht oder trivial.

00:37:34: Also gut im Text finden sich einige glückliche Zufälle, sie lernen da viele tolle Leute kennen und dann passieren verschiedene Sachen die ich jetzt nicht spoilern will aber eigentlich ist es doch relativ viel vom Substanz.

00:37:45: oder was würdest du sagen?

00:37:48: Ja das sehe ich auch so.

00:37:50: Aber wir leben auch in einem Kulturkreis in dem eine Komödie also ein Buch dass am Ende doch irgendwie auf einen guten Ausgang hinausläuft und das auch von der Liebe erzählt schnell als Seicht abgetan wird.

00:38:06: Und Seicht ist ja ein negatives Wort.

00:38:09: Total,

00:38:09: ja!

00:38:10: Das so tut als ging es darum nichts.

00:38:13: Ich habe mal bei meiner letzten Lesung auf der Buchmesse war das ins Publikum gefragt.

00:38:19: Da hab ich das Publikums einfach eingebunden in diese Frage alle gebeten sich mal vorzustellen oder sich zu erinnern an eine sehr wichtige schöne Sache, die sie beglückt.

00:38:34: Und als dann alle etwas im Kopf hatten diese schöne Sache habe ich Weiter gefragt, hat das was mit Natur zu tun oder mit einer Reise?

00:38:44: Oder mit anderen Menschen.

00:38:46: Und gerade bei anderen Menschen ging dann so etwas wie fünfzig Hände hoch.

00:38:49: Also das war... Von

00:38:50: wie vielen ist die

00:38:51: Frage?

00:38:51: Ich glaube, von seventy-fünf.

00:38:53: Ah ja okay!

00:38:54: Also der überwiegende Teil.

00:38:56: Der

00:38:56: durchaus der überwiegende Teil Diese Verbindung gehabt, etwas richtig Schönes ist mit anderen Menschen verbunden.

00:39:03: Ich konnte dann natürlich schlecht jetzt alle einzelnen Fragen was es genau war.

00:39:09: aber wir waren uns denn doch recht einig dass das eben nichts Oberflächliches ist.

00:39:14: also diese schöne Erfahrung das positive das wo wir mit anderen menschenverbunden waren dass das eben nicht so ist, dass wir denken, naja, das zählt nicht oder es seicht.

00:39:28: Das ist nur oberflächliches Zeug.

00:39:30: aber in der Kunst ist das ganz schnell das Label.

00:39:34: Es geht hier um was Glückliches und die Suche nach Glück oder Verbundenheit oder Liebe oder eine Partnerschaft und damit haben wir dann ganz schnell so etwas aufgerufen Na ja, dann ist es sentimental oder dann ... ist das eben nichts.

00:39:53: Und in unserem eigenen Leben sehen wir das ganz anders.

00:39:57: Das ist natürlich wichtig und ich wüsste auch nicht, warum wir darüber keine Bücher schreiben sollten?

00:40:05: Ja!

00:40:05: Ich würde jetzt nicht sagen, dass sich die Qualität eines Buches daran festmacht, ob es eher ein heiteres Buch ist was von etwas Glücklichem handelt oder ob es ein trauriges Buch ist Problemen vielleicht behandelt oder eine große Trauer.

00:40:23: Also die Qualität liegt dann in was anderem.

00:40:25: Ja,

00:40:26: ich muss auch irgendwie grad fragen mich nicht warum daran denken?

00:40:29: Ich war letztens auch an der Buchhandlung und da habe ich noch gesehen und ich dachte das ist irgendwie schockiert dass es das noch gibt ein Regal mit der Überschrift Frauenliteratur weil ich finde das ist ja auch oft ein Label was schnell aufgedrückt wird wenn es eben um Themen wie keine Ahnung innere Rückschau Lebensveränderungen, Partnerschaft, Liebe und so geht.

00:40:48: Wo ich mir auch denke eigentlich betrifft es doch uns alle und deswegen würde mich jetzt noch interessieren das Buch ist ja nur im August letzten Jahres rausgekommen was du für Rückmeldung bekommen hast wer denn dein buch gelesen hat?

00:41:01: Ja also gedacht war's eigentlich so dass... Also ich habe es geschrieben damit Alle es lesen können.

00:41:09: Ich hatte da einen sehr demokratischen Ansatz.

00:41:13: Ist ja auch zuerst doch gut!

00:41:14: Ich wollte

00:41:15: nicht ein Buch schreiben, das jetzt nur für Leute ist die auch promovierter.

00:41:19: Damit macht man den Preis auch automatisch sehr klein und ist vielleicht im Vertrieb nicht so gut durchzusetzen beim Verlag.

00:41:27: Und ich habe dann trotzdem gemerkt, dass es eigentlich vor allem doch gebildetere Leute sind die gerne auch sehr komplizierte Bücher lesen.

00:41:36: Die sich freuen das sie für den müden Abend oder den Urlaub eine schöne Lektüre haben, die nicht platt ist und die trotzdem auch eine Leichtigkeit mit sich bringt.

00:41:49: Und Frauen und Männer lesen dieses Buch

00:41:53: schön.

00:41:54: Das

00:41:54: heißt, es ist vielleicht nicht in dem Aufstellerfrauen-Literatur.

00:41:57: Hoffentlich!

00:41:58: Ja das weiß man nicht genau... Ich glaube, manche Männer lesen's weil die Frauen es gekauft haben und gelesen und dann liegt das eben da?

00:42:09: Und dann haben sie gesehen dass da jemand lachte bei der Lektüre oder irgendwie gefangen war zwischendrin und dann lesen sie es auch.

00:42:17: Aber das doch tolls finde ich immer super wenn Bücher so weiter wandern.

00:42:22: Bernadette und wie sie ihr Leben ändert ist in der Welt.

00:42:25: Die Leute können es kaufen, geht alle jetzt in die Buchhandlung bevorzugt natürlich unabhängige Buchhandlungen und kauft es aber ich weiß nicht wie's um deine Schaffensdragen aktuell steht.

00:42:34: meistens arbeitet man ja schon während dessen vielleicht nur auch im Gedanken an was neuem oder vielleicht bist du ja jetzt schon dabei.

00:42:40: Ich kann mir vorstellen dass zu vielleicht aber auch zwischen schreiben Workshops und dein Lektorieren ganz schön ausgelastet bist.

00:42:47: Wie sieht's denn da aus?

00:42:48: Wie ist es mit deiner Zeit an neuen Projekten zu arbeiten?

00:42:50: und das ist immer meine Ausblicksfrage, arbeitest du gerade schon an was neuem, was du vielleicht schon verraten oder antiesern kannst?

00:42:57: Also ich arbeite an etwas Neuem.

00:43:00: allerdings bin nicht so vorangekommen wie ich mir das gewünscht habe eben weil so viele andere Baustellen auch immer offen sind.

00:43:09: Und ursprünglich hatte ich gedacht dass neue was sich grade mache wird ein Roman.

00:43:16: Und jetzt ist mir aber aufgefallen, dass es eine Geschichte ist.

00:43:21: Mir fällt auf, dass ich so viele kleine Anfänger und Ansätze habe die auch alle Geschichten sind.

00:43:27: also es kann sein das als nächstes ein Erzählungsband kommt oder sich eher daran arbeite ob das dann ein Band wird der tatsächlich irgendwo schön publiziert wird.

00:43:39: Das ist ja dann eine anschließende Frage.

00:43:42: Auf jeden Fall schreibe ich habe ich Themen, an denen ich schreibe und wie das dann am Ende wird.

00:43:49: Und wann es da ist?

00:43:51: Das weiß ich natürlich noch nicht!

00:43:53: Wenn denn was kommt oder wenn es Neuigkeiten von dir gibt, wo können denn jetzt die Hörerinnen und Hörern mehr über dich erfahren?

00:43:59: Also ich bin im Netz zu finden.

00:44:01: Ich hab eine Webseite einfach vor meinem Namen eingebt...

00:44:06: Wir machen das auch in der Beschreibung zur Folge.

00:44:07: Dann kann man direkt drauf gehen.

00:44:12: immer noch sehr verhalten darin mich auf Social Media herumzutreiben, weil ich zu viele Aufgaben habe.

00:44:22: Es zerreißt mich schon, dass ich zum Geld verdienen viel Zeit investieren muss und zum schreiben möchte auch noch Zeit haben.

00:44:31: eine freie Zeit haben.

00:44:34: Auf jeden Fall!

00:44:36: Und da ist es manchmal schwer dann auch noch eine Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, zumal mir das eben auch nicht so liegt.

00:44:43: Mal sehen vielleicht melde ich mich dieses Jahr mal an irgendeiner Stelle an aber im Wesentlichen Wesentlichen ist das meine Webseite und die wesentliche Sachen, wenn mal irgendwo eine Lesung ansteht oder so.

00:44:57: Die pfleg ich dann da auch rein.

00:44:59: Okay.

00:44:59: Das heißt für alle jetzt, die das hören erst einmal Webseiten und wenn dann die erste Instagram-Story von Barbara Hand gekommt, dann folgen wir auch alle deinem Account!

00:45:09: Für jetzt erstmal vielen Dank,

00:45:11: Barbara

00:45:11: Handke, dass du dir heute Zeit für unser Gespräch genommen hast und alles Gute für deine weitere

00:45:15: Arbeit.

00:45:16: Ja, vielen herzlichen Dank.

00:45:23: Von Leipzig geht es jetzt zurück nach Rostock.

00:45:26: Dort hat meine Kollegin Lisa die Literaturwissenschaftlerin Anne Schülke Witte getroffen.

00:45:31: Die beiden diskutieren die Gattung des Bildungsromans anhand von Barbara Handkes, Bernadette ändert ihr Leben und überlegen inwiefern und warum man diesen Begriffe auf die dort beschriebene Entwicklung der titelgebenden Protagonistin anwenden könnte – auch wenn Bernadett nicht männlich und jugendlich ist wie sie einem strengere Definitionen des Bildungshomans nahelegen würden!

00:46:03: Heute mal wieder geballte Frauenpower in dieser Folge Kapitelrauschen.

00:46:07: Das letzte Mal war das, glaube ich so, in der Folge mit Helga Schubert.

00:46:10: Ich freue mich, dass Anne Schülke Witte uns auch heute wieder etwas zu einem literaturwissenschaftlichen Thema erzählt.

00:46:16: Herzlich willkommen!

00:46:16: Hallo

00:46:17: Lisa, ich freue mich hier zu sein.

00:46:18: Danke

00:46:19: Ja und diese Frauenpower passt ja eigentlich auch sehr gut inhaltlich Zu Barbara Handkiss Romanen Der sich rund um Bernadette dreht.

00:46:27: Genau, also in den Kritiken zu barbarer Handgesromanen wird häufig hervorgehoben dass die Geschichte von Bernadette als eine Art Ermutigung gelesen werden kann trotz etwaiger Widerstände neue Wege im Leben zu gehen.

00:46:39: Also das Label des Ermutigungsbuches mit dem Handgesroman versehen wird resultiert offensichtlich wie ich behaupten möchte aus den Entscheidungen die die Protagonistin im Roman trifft, aus den Wiederigkeiten von denen sie sich löst und aus dem persönlichen Wandel den sie dabei als Figur durchläuft.

00:46:55: Schon der Titel kündigt dies an, denn Bernadette ändert ihm jetzt ihr Leben.

00:47:01: Und diese Handlungssquenzen kommen einem ja irgendwie ganz schön bekannt vor wenn man schon so eine weile lang Bücher liest.

00:47:07: das erinnert ja ziemlich stark an so eine bestimmte Art des Romans.

00:47:11: Ja, du liefest mir ja quasi die Vorlage tatsächlich.

00:47:14: Diese Beobachtungen lassen an den literaturwissenschaftlichen Begriff des Bildungsromans denken, den ich im folgenden an Barbara Handgesbruch ein bisschen diskutieren möchte.

00:47:23: Im klassischen Bildungsroman wird uns allgemein gesagt die Entwicklungsgeschichte einer Jugendlichen-Hauptfigur präsentiert.

00:47:30: auf ihrem Weg durchläuft die Figur Krisen und ist Irrtümern ausgesetzt Und diese Herausforderung verhelfen dann der Hauptfigur dazu ihr persönliches Ziel zu erreichen Die Selbstverwirklichung und die Integration in die Gesellschaft.

00:47:43: Also, die Hauptfigur ist aber meist männlich, befindet sich also auf der Suche nach ihrem Platz in der Welt und entwickelt dabei ihren Charakter um sich letztlich zu vervollkommenen.

00:47:53: Bildungsromane weisen der Regel einen harmonischen Schluss auf, der auch ironische Tendenzen haben kann – und in jedem Fall ist die Figur schlussendlich zu einem gefestigten Ich gereift das die Krisen gemeistert hat!

00:48:04: Okay, da haben wir jetzt einmal den Bildungsroman in seiner Reihenform definiert.

00:48:08: Aber so ganz passt ja dann die Hauptfigur Bernadette doch nicht auf diese Beschreibung des jungen männlichen Protagonisten?

00:48:15: Ja das ist eine richtige Beobachtung.

00:48:17: also es fällt auf bei Handge, dass ihr Roman vom typischem klassischen Bildungsroman in mancher Hinsicht abweicht und das kann ich ja einmal hier so durchdeklinieren erstens Die Hauptfigure Bernadett ist weiblich.

00:48:28: zweitens der Roman beginnt nicht während Bernadettes jungt wie es uns klassischerweise ihm ist zu einem Zeitpunkt, an dem der klassische Bildungsroman schon längst vorbei wäre.

00:48:38: Drittens

00:48:38: Krisen

00:48:39: hat die Protagonistin bereits durchlebt bei Handge – also wie die Trennung von ihrem Ehemann das Einsetzen einer Schreibblockade ihrer Tätigkeit als Journalistin ein Ende setzte und auch die anfänglichen Herausforderungen als Alleinerziehende einer Tochter.

00:48:54: Also wir erfahren als Leserinnen nur punktuell retrospectiv von diesen Krisen.

00:48:58: Und viertens Außerdem steht in einem Bildungsroman für gewöhnlich eine Hauptfigur im Fokus, also eine Person.

00:49:05: Wohingegen ist ein Handgesroman gelegentlich zu einem Perspektivwechsel zwischen Bernadette und einer weiteren Figur kommt?

00:49:11: Und zwar Tom dem Fotografen, die ihm sie dann in Madrid begegnet.

00:49:15: eigentlich auch schon vorher am Flughafen vor ihrer Abreise und diese aus Sicht von Tom wiedergegebenen Passagen halten sich jedoch sehr in Grenzen Bei Handgist aber in Bezug auf den Begriff Bildungsroman interessant, dass die Handlung eben zu dem Zeitpunkt einsetzt als sich Bernadette angesichts dieser zahlreichen Krisen und des Kommers eingesteht persönlich gescheitert zu sein.

00:49:36: Ausgelöst wird dies durch folgende Gegebenheiten.

00:49:39: Erstmal erzählt ihr am Telefon ihre vierzehnjährige Tochter Teresa das sie zu ihrem Vater also zu Bernadettes Ex-Partner ziehen will Und Bernadette ist dabei scheinbar ihre letzte sinnvolle Tätigkeit abhandengekommen, und zwar das Muttersein.

00:49:53: Außerdem gesteht ihr unerwartet Ihre Freundin Lotta – also die letzte Leidensgenossin mit der Bernadett bisher das triste Single-Lebenteilte und betrauerte, dass sie einen Mann kennengelernt hätte!

00:50:04: Bernadette fühlt sich isoliert und beginnt, wie sie sagt so zu fühlen.

00:50:08: Wie sie von anderen gesehen wurde – eben als erfolglose Mutter, deren Gefühle getrost ignoriert werden konnten.

00:50:14: Kurzum als eine gescheiterte Persönlichkeit!

00:50:16: Doch an diesem Tiefpunkt ereignet sich etwas das nicht nur die Weiterentwicklung der Figur ankündigt sondern aktiviert.

00:50:24: Bernadett begreift dass ihr gewisse Qualitäten im Leben abhandengekommen sind, sie sich selbst verloren hat….

00:50:30: Entscheidend hierbei ist jedoch Bernadette's Gedankenverhalten nicht, sondern sie münden in der zentralen Erkenntnis nach einem Neuanfang zu suchen und etwas an der eigenen Situation zu ändern.

00:50:41: Der Zufall – man könnte auch sagen das Leben – verhilft dann Bernadett dazu diesen Neuanfang zu wagen, indem sie für vier Wochen nach Madrid reist um eine Kollegin in einem Projekt mit der königlichen Grobelin-Manufaktur zu vertreten.

00:50:53: Ja, und während ihrer Zeit dort in Madrid kommt es dann ja – das passt vielleicht wieder ganz gut zum Bildungsromanen – zu verschiedenen Situationen, in denen Bernadette sich von ihren alten Rollen löst.

00:51:03: Und dann auch noch andere Anteile in sich entdeckt?

00:51:06: Ja richtig!

00:51:07: So stößt sie beim Stöbern in einer Buchhandlung auf ein Zitat aus einer Nietzsche Biografie, dass sie an die Entfaltung ihrer eigenen Schöpferkraft erinnert.

00:51:15: Bernadett entdeck daraufhin das Zeichen und Malen für sich wieder, sodass sie trotz Talent jahrelang leider keine Zeit aufbringen konnte.

00:51:23: Angesichts der Schönheit der spanischen Hauptstadt erinnert sich Bernadette auch daran, wie vollkommen sich das Leben eigentlich anfühlen kann.

00:51:30: Indem sie neue Bekanntschaften macht – also Freundschaft mit beispielsweise Karen oder Ed schließt – bemerkt sie, dass sie nicht nur von anderen als kreative Kluge und selbstbewusste Frau gesehen werden kann sondern auch von sich selbst.

00:51:43: Also ihr altes Selbstbild, das von Zweifeln und Kritik geprägt war, gerät ins Wanken!

00:51:48: Diese Offenheit, so sagt es Bernadette, kehrt in ihr Leben zurück und so auch ihre Fähigkeit Artikel zu schreiben.

00:51:54: Also die Schreibblockade löst sich auf und Bernadett ist zurück im Team der Redaktion.

00:51:59: Aber es wäre zu einfach, wenn sich diese Glücksträne jetzt einfach fortsetzte.

00:52:03: Bernadette's persönliche Entwicklung geht auch mit Veränderungen in ihren Freundschaften einher.

00:52:08: Nicht alle gehen mit dieser neuen Version von Bernadett mit also es kommt zu Konflikten mit ihrer Freundin Lotta der sie ihre Reise nach Spanien zu verdanken hat.

00:52:16: Zudem muss Bernadet überstürzt aus Madrid abreisen und nach Dresden zurückkehren.

00:52:20: Und Bernadeth bleibt so hin-und hergerissen zwischen der Rolle als Mutter und als Frau die sich emanzipieren will.

00:52:27: Doch sie kehrt zurück nach Madrid, wird am Ende sogar zur feuerlichen Übergabe der Gobelins für das Dresdener Residenzschloss eingeladen.

00:52:35: Verholfen hat hierzu der Fotograf Tom den Sie in Madrid kennenlernte und im Laufe der Handlung entwickelt sich zwischen beiden Figuren eine romantische Beziehung.

00:52:45: Die Hauptfigur konstantiert selbst Ihr Monat in Madrid kam nun wirklich zu einem Abschluss diesmal mit einem Happy End.

00:52:53: Also das ist der Satz, den Bernadette auch selbst im letzten Kapitel formuliert.

00:52:56: Es ist also ein harmonischer Abschluss, den uns auch einen Bildungsroman anbieten würde.

00:53:01: Barbara Handgesprosatext kann nicht als klassischer Bildungs-Roman gelten und doch greift die Autorin zentrale Elemente dieser Gattung auf.

00:53:09: Sie scheint damit den Puls der Zeit zu treffen denn Bücher, die von der Selbstfindung weiblicher Protagonisten in Erzählen werden zuhauf publiziert – man denke an Daniela Dröschers junge Frau mit Katze, Oder an Caroline Walz, neuer Roman.

00:53:24: Das war in dem Jahr über den Meer im August.

00:53:30: und das Besondere an der Geschichte von Bernadette ist es jedoch dass hier nicht nur die klassische Altersgruppe junger Frauen in den Fokus rückt sondern auch Frauen in der zweiten Lebenshälfte eine Stimme in der Literatur erhalten.

00:53:42: Selbstfindung bleibt demnach eine Lebensaufgabe und man könnte sagen das Leben ist sozusagen ein unabgeschlossener Bildungsroman.

00:53:50: Das sind doch schöne Schlussworte, liebe Anne.

00:53:52: Danke, dass du hier bei uns warst im Kapitelrauschen-Podcast und erklärt hast, das Bildungsromane heutzutage auch ganz anders aussehen könnten!

00:54:20: In der Beschreibung findet ihr noch ein paar weiterführende Links zu Barbara, etwa zu ihrer Website oder ihren bisher erschienenen Büchern.

00:54:30: Wir freuen uns wenn ihr den Podcast mit euren Freundinnen und Freunden teilt!

00:54:34: Auch eine Bewertung am liebsten natürlich mit fünf Sternen fänden wir super.

00:54:38: Wenn ihr keine Ausgabe mehr verpassen wollt dann folgt dem Podcast auf Instagram.

00:54:42: Den Link dazu findet ihr in der Beschreiben.

00:54:45: Danke an euch fürs Zuhören und bis zur nächsten Folge.

00:54:48: macht's gut.

00:54:49: Kapitel rauschen der Literatur Podcast für Mecklenburg-Vorpommern.

Über diesen Podcast

Literarisch hat Mecklenburg-Vorpommern einiges zu bieten. Der Podcast „Kapitelrauschen“ macht das jetzt hörbar.
Zusammen mit dem LiteraturRat MV bietet „Kapitelrauschen“ eine Plattform für literaturschaffende und literaturbegeisterte Menschen. Autor:innen, Dramaturg:innen, Poet:innen und Institutionen aus MV begeistern im Gespräch von ihrem Schaffen und Wirken. Sie stellen Texte vor oder rauschen mit uns durch interessante Kapitel ihres Lebens. Gleichzeitig soll der Podcast die Online-Vernetzung der Literatur in MV erleichtern und ein unterstützendes Medium für die Autor:innen-Förderung online und im Land MV darstellen. Ideen, Anregungen und Kritik sind also immer willkommen.

von und mit LiteraturRat MV, Anna Christina Alers

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