00:00:08: Mich interessiert wirklich die poetische Öffnung der Sprache, wie sie uns das Alltägliche irgendwie fremd macht und ähnert ja eher einen Zauberspruch.
00:00:19: Und in einer Verzauberung der normalen Alltagssprache.
00:00:23: Das finde ich schon bemerkenswert.
00:00:32: Kapitelrauschen – Der Literatur-Podcast für Mecklenburg-Vorpommern.
00:00:43: Herzlich Willkommen zu Kapitelrauschen und ich sage auch herzlich willkommen Silke Peters, Sie ist Autorin die hier in MV kann man sagen wirklich verwurzelt ist.
00:00:51: Denn sie wuchs in der Nähe von Rostock ländlich auf und ihre Texte bewegen sich rund um die Grenzen zwischen Prosa und Lyrik.
00:00:59: Neben vielen Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien brachte sie zwölf mit.
00:01:04: Ich verstehe nichts von Monsoon auch einen Erzählband heraus, der sogar in der FAZ besprochen wurde.
00:01:09: Heute schreibt Silke noch immer in ihrer Wahl Heimat Streisund, ist aber auch als Organisatorin und Vermittlerin von Lyrik an Schulen.
00:01:15: Und in unterschiedlichen Projekten aktiv!
00:01:18: Herzlich willkommen und schön dass du uns heute hier im Kapitelrauschen Podcast besuchst.
00:01:23: Ja vielen Dank für die Einladung.
00:01:24: ich freue mich sehr hier zu sein.
00:01:26: Das ist ja eine lange schriftstellerische Laufbahn auf die wir gemeinsam zurückblicken können und ich hoffe Ich habe das alles treffend zusammengefasst.
00:01:34: War es denn schon immer dein Bestreben mal beruflich mit Texten zu tun zu haben?
00:01:38: Also ich hab Im Lebensverlauf relativ spät angefangen zu veröffentlichen und zu schreiben, also ganz genau im Jahr zweitausend.
00:01:48: Da ergab sich für mich so ein biografischer Bruch wo ich einfach nochmal schauen wollte was wollte ich eigentlich werden?
00:01:55: Und da tauchte das Bild an der Schriftstellerin des Schreibens auf und dem bin ich danach gegangen.
00:02:01: Wie alt war ich denn da?
00:02:02: Dreiunddreißig oder was?
00:02:05: Das ist heutzutage noch kein Alter, wenn man sich die steigende Lebenserwartung anguckt.
00:02:09: Und man bringt ja dann auch vielleicht schon so eine gewisse Reife mit?
00:02:12: Ja das stimmt!
00:02:14: Ich habe es vorhin schon gesagt du bist wirklich ein Kind der Küste aufgewachsen in der Nähe von Rostock und jetzt lebst du im Streisund.
00:02:22: Warum hattest dich nicht auch mal woanders hin verschlagen?
00:02:26: Ja, das ist ne Sache für die man sich heutzuttage fast rechtfertigen muss bei den Summers oder Nein, man ist dann einsam und den No-Wars die Fragen ändern.
00:02:41: Ja ich bin gerne hier.
00:02:43: Ich habe irgendwie immer überlegt nach Berlin zu gehen weil da dem meisten meiner Kollegen natürlich sind und weil sich die Kontakte dadurch irgendwie auch viel einfacher halten und pflegen lassen.
00:02:56: aber ich bin irgendwie immer wieder zurückgescheut.
00:02:59: Außerdem hab' ich eine Tochter erzogen.
00:03:00: es war einfach in einer kleinen Stadt wo alles fußläufig zu zu bewegen ist einfach günstiger für mich.
00:03:08: Das ist ganz und hat eine hohe Lebensqualität,
00:03:11: aber du warst ja jetzt auch schon bei einigen Literaturpreisen in der näheren Auswahl und spannenderweise nicht nur regional habe ich gelesen also sonst.
00:03:19: also es liegt doch schon teilweise viele Jahre zurück Aber teilweise waren die ja auch richtig weit weg.
00:03:24: Also zwei davon sind unter anderem in Österreich gewesen.
00:03:27: woher kommt denn diese Connection?
00:03:29: Wenn man irgendwo in der Provinz sitzt, dann versucht man sich oder habe ich versucht mich bemerkbar zu machen, indem ich halt mich bei Preisen beworben habe.
00:03:38: Und da hat es auch zu zwei Einladungen gereicht.
00:03:41: Einmal habe ich glaube ich einen zweiten Platz gemacht im Fettkirch und einmal war ich nominiert für den Christine Lawand-Preis.
00:03:49: Dann war ich noch in Miran eingeladen.
00:03:51: Das ist Südtirol.
00:03:53: Genau!
00:03:54: Da versucht man schon irgendwie ein bisschen seiner... seine Arbeiten halt vorzuzeigen.
00:04:01: Es ist ja dieser Tage im Literaturbetrieb erst mal nichts Ungewöhnliches, sich von etablierten Textgattungen loszusagen und sich auch bewusst in so Grauzonen zu bewegen.
00:04:10: ich habe es ja in der Einleitung schon gesagt dass du zwischen Lyrik und Prosa wandelst tust du ja eigentlich auch schon seit du anfingst mit dem Schreiben und rausgekommen sind dabei vor allem, ich würde sagen Prosa-Gedichte.
00:04:23: Wie genau würdest du denn deine Texte verorten zwischen Prosa und Lyrik?
00:04:26: Und warum gefällt dir diese Art der Mischgattung so gut?
00:04:31: Ja, ich habe also Vorbehalte gegenüber dem Erzählen und hab ein großes Interesse an poetischer Öffnung der Sprache.
00:04:43: Dinge ist glaube ich das Erwachsen, was sich irgendwie meine Arbeit nenne.
00:04:47: Also im Schriftlichen so und etwa.
00:04:50: Du hattest auch im Vorgespräch schon mal gesagt dass man Emotionen und auch Affekt besser in Lyrik ausdrücken kann?
00:04:58: Vielleicht kannst du das nochmal ein bisschen erläutern?
00:05:00: Affekt, Emotion!
00:05:04: Mich interessiert wirklich die poetische Öffnung der Sprache wie sie uns dass Alltägliche irgendwie fremd macht und uns Lösungen aufzeigt, die nicht so ganz offensichtlich sind über Sprache.
00:05:22: Also ähnelt ja eher ein Zauberspruch in einer Verzauberung der normalen Alltagssprache und das finde ich schon... Bemerkenswert und das wünsche ich mir irgendwie in die Welt hinein mehr Poesie.
00:05:34: Es ist ja ganz spannend, dass wir jetzt über Lyrik- und Prosa-Grenzen sprechen denn darüber habe ich auch vergangenes Jahr schon mit Helga Schubert hier im Podcast gesprochen Und sie hatten mir folgendes erzählt?
00:05:46: Und dieser Lektor hat zu mir gesagt Ja, die Gedichte sind eigentlich alles kurze Erzählungen Das sind also Gedichte
00:05:55: Beachten
00:05:56: zwar den Rhythmus und so, aber ich schreine doch mal Erzählungen.
00:06:00: Das sind alles ... Sie haben ja so viel zu erzählen!
00:06:02: Manchmal kann einem ein solch bewusster Wechsel in eine Richtung also karrieremäßig sehr helfen vor allem wenn es ums Verlagswesen geht.
00:06:11: Wie siehst du denn das so?
00:06:12: Das ist heutzutage auch ein wahnsinnig hartes Pflaster.
00:06:16: Ja, also dass woran ich arbeite, ist schwer verkräuflich in diesem, sag' ich mal, in diesem Markt-Sinn.
00:06:25: Und insofern ist dieser Rat, den Frau Schubert bekommen hatte.
00:06:29: Sichtlich der, den jeder bekommt.
00:06:34: Die Idee hat damit auch sein pinikonäres Leben irgendwie zugestellten.
00:06:40: aber künstlerische Interessen sind eben manchmal andere als die Pinikonären und man passt dann seinen Leben entsprechend an.
00:06:47: mich interessieren sozusagen Prozesse wo die Entfremdung von Dingen und auch von Sprache aufgehoben wird.
00:06:56: Und da ist man sozusagen bei seiner Forschung automatisch auch in einer Kapitalismuskritik vielleicht, um über bestimmte Lösungen, über bestimmten Materialien oder bestimmte Sprachlösungen nachzudenken.
00:07:13: Da ergibt sich das sozusagen von alleine.
00:07:16: Ja, wir sind jetzt hier gerade mitten bei diesem Problem mit der Erzählung das du selber auch angesprochen hast.
00:07:22: Und ich kann mich da persönlich erinnern dass wir schon in der fünften Klasse basierend auf so eine Folge von Comics eine Kurzgeschichte schreiben sollten und vorher haben wir dann eben so Normen beigebracht bekommen wie dann jetzt so eine Handlung abzulaufen hat.
00:07:35: in dieser ja auch also Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand eine Textgattung, die ja wirklich sehr jung ist.
00:07:41: Und das wurde dann auch benotet nicht nur nach Rechtschreibungen sondern auch nach Inhalt.
00:07:45: also wie spannend diese Geschichte ist ob sich da ein Spannungsbogen aufbaut und wieder sich wieder abbaut und ob es dann einen Happy End gibt usw.
00:07:53: Das ist eigentlich schon ein sehr verkopfter Ansatz oder?
00:07:57: Ja das ist nichts was mich wirklich interessiert.
00:08:01: Das kann jetzt die KI einfach machen.
00:08:03: Also wenn ich jetzt irgendeine Aufgabe Stellung hätte, solche Art würde ich das in eine Maschine eingeben weil ... Die kann das irgendwie inzwischen ganz gut.
00:08:11: Das sind keine Problemstellungen, die mich berühren gerade.
00:08:15: Ich höre da so ein bisschen raus dass Schreiben als Prozess oder auch das Ergebnis dann eher für dich ne Kunst ist als ein Handwerk.
00:08:24: also bist du der Auffassung, dass man Gutes schreiben lernen kann, wenn man es überhaupt in gut und schlecht einteilen möchte.
00:08:33: Da ich ja manchmal Kurse im Schreiben unterrichte muss sich das natürlich einfach aus arbeitsethischen Gründen irgendwie schon begründen dass man das lernen kann.
00:08:43: nein Es geht darum dass man einfach wie in jeder profession einfach das ständig tun muss.
00:08:50: man muss einfach viel und lange schreiben und selbst wenn man irgendwie einer Phase hat, wo es einem irgendwie nicht mehr Zufall fällt dann das einfach weitermachen.
00:09:01: Also es geht darum ist oft und viel zu tun.
00:09:05: Das ist eigentlich alles.
00:09:06: Und was ich gemerkt habe, was Leuten hilft in sozusagen professionellen Schreibschulen ist natürlich der Sprechen über Texte in einer Gemeinschaft dass das irgendwie großartig einen weiter bringt.
00:09:23: Und das zu tun, also sprechen über Texte und natürlich nicht ganz unwichtig sind auch die sozialen Kontakte, die man sozusagen in einer Gruppe der neu anfangenen trifft.
00:09:35: Und natürlich auch die Aufmerksamkeit aus dem Literaturbetrieb, die sich auf diese Art von Gruppen richtet.
00:09:41: Das ist schon ganz hilfreich!
00:09:42: Aber vielleicht muss man sich ja auch so ein bisschen loslösen von diesem grandiosen Ergebnis, was man am liebsten sofort haben will.
00:09:48: Also du meintest ja grad, man muss ganz viel schreiben und ganz viel Output erst mal haben um das so zu lernen.
00:09:53: aber viele träumen dann doch wenn sie anfangen so davon ja und irgendwann wird es dann... Weiß ich nicht, veröffentlicht.
00:10:00: Also irgendwie man denkt immer so an das finale Produkt vielleicht.
00:10:04: Würdest du sagen es ist ein hilfreicher Ansatz einfach zu sagen jetzt wird das hier erst mal sein und das wird niemand lesen außer ich der jetzt vielleicht noch mit fünf anderen drüber spricht?
00:10:13: Hältst du das für sinnvoll?
00:10:14: Naja
00:10:14: also ich habe jetzt dieses Wort Grandiosität irgendwie ganz gut gehört bei dem Anfang deiner Frage.
00:10:21: Und das natürlich was, was mit dem Alter abnimmt.
00:10:23: Also man wird ein bisschen gelassener und dieser grandiositäts Erwartung an sich selber auch vielleicht von anderen An sich selber die nützen sich ab Gott sei Dank genau und Man lernt viel mehr wertzuschätzen diesen Prozess im Austausch zu sein mit anderen.
00:10:41: Ich arbeite ganz häufig mit bildenden künstlerinnen zusammen.
00:10:45: da entstehen irgendwie ganz neue Arten der Zusammenarbeit auch für schrift also.
00:10:50: Also ich hab auch Materialarbeiten im Moment, die sozusagen mein poetisches Interesse auf eine andere Art von Spracher gerade ausdrücken.
00:11:00: Also ich habe das irgendwie zugunsten einer Arbeit einfach auch ein bisschen verlassen können.
00:11:06: aber das ist glaube ich auch eine Alters-Blücksählichkeit ja?
00:11:10: Ja du leitest Kurse in denen Menschen schreiben sollen und insofern gehst Du ja schon in so ne passive Rolle sage ich mal Und schaust einfach mal, was da kommt.
00:11:20: Letztes Jahr zum Beispiel warst du ja sehr aktiv im Rahmen eines Projekts vom Literaturrat hier im Literaturhaus Rostock auch nebenan und da hast du Kurse gegeben im Bereich des interkulturellen Schreibens.
00:11:31: vielleicht kannst du uns zu deiner Erfahrung mit den Kursteilnehmerinnen und der gemeinsamen Arbeit auch nochmal ein bisschen was erzählen?
00:11:38: Ja danke!
00:11:39: Das Projekt läuft jetzt gerade noch.
00:11:41: also es hatte einen zweiten Teil sozusagen, der jetzt gerade erst zu Ende geht.
00:11:47: Es hat ganz viel wirklich damit zu tun, sich zurückzunehmen und schreiben überhaupt zu ermöglichen.
00:11:55: Also authentisches Schreiben!
00:11:58: Für mich ist es eben dieses Rücktreten von den Dingen die wir auch in der Schule beigebracht bekommen haben weil das ganze häufige Schreibwiderstände sind.
00:12:07: Das fängt an mit... Mit der Rechtschreibung, mit den Fehlern.
00:12:12: Man muss gleich ein fertiges Produkt abgeben.
00:12:14: All das sind so Widerstände die dem freien schreiben, dem literarischen schreiben oder erst mal überhaupt diesem Selbstostdruck einfach entgegen stehen und an denen man sich abzuarbeiten beziehungsweise die Teilnehmerinnen-Teilnehmer zu ermutigen hat, einfach darüber hinwegzugehen.
00:12:36: und natürlich diese Art von Verletzung die uns allen auch beigebracht wurden eben in diesem Ausbildungsweg ja.
00:12:42: In dieser Art von Zurichtung auch was es schreiben betrifft sich dem auszusetzen und das aber ihm verlassen zu können zugunsten einer authentischen Sprache?
00:12:52: Was sind eigentlich neben dieser Abgewöhnung des inneren Sensors oder dieses Abbaus des innerer Widerstands der einem so in der Schule häufig dann auch beigebracht wird.
00:13:05: Was ist denn da so dein didaktischer Grundsatz beim Vermitteln des Schreibens?
00:13:09: Also klar, du nimmst dich ein bisschen zurück aber wie können wir uns das vorstellen, wie läuft denn überhaupt so eine Sitzung ab?
00:13:16: Ich glaube dass das großartige ist und so lernt man auf wirklich schreiben und zuhören und lesen es, dass man zu einer Gruppe zusammen findet die sich gegenseitig vertraut sich zuhört, sich öffnet mit dem was gerade noch völlig unfertig oder ganz spontan ist.
00:13:37: und das ist glaube ich der großartige Aspekt.
00:13:41: Aspekt, auch ein heilende Aspekt.
00:13:43: Ich hatte im letzten Jahr auch einen Kurs für Frauen mit Gewalterfahrung.
00:13:46: Da ist mir das in der Vorbereitung einfach noch viel deutlicher geworden wie heilend und wirklich Kontakt und Zuhören ist ja also Einfaches zuhören dass es schon eine grandiose Wirkung haben kann Für einzelne Personen Und eben diese Art von Gemeinschaft wo man sich einfach traut Das was man gerade geschrieben hat auch vorzulesen Ja, und ich kann zurücktreten.
00:14:12: Und ich kann aber natürlich ermutigen ... und diesen Raum erzeugen, indem man sich traut, sich auszudrücken, ja?
00:14:20: Genau!
00:14:20: Also schreiben kann man da dann vielleicht schon so als therapeutische Erfahrung auch sehen.
00:14:24: oder sag' ich mal zu Ergänzung einer Therapie?
00:14:29: Also authentischer Ausdruck wie auch immer ist ... ja es ist therapeutisch, es ist einfach menschlich.
00:14:36: darauf Arbeiten wir irgendwie hin, nicht so sehr in dieser Selbstverleugnung oder in einer Art von Maske zu erstarren.
00:14:45: Die alle irgendwie ja nur entnervend und tödlich finden.
00:14:50: Also therapeutisch schreiben ist vielleicht ein bisschen zu groß aber eine authentische Schreibstimme zu entwickeln ist eine großartige Sache und vor allen Dingen braucht sie jetzt keine materiellen großartigen Ressourcen.
00:15:05: Was würdest du sagen sind so vielleicht basierend auf Rückmeldung, vielleicht aber auch basiernd auf deinen Eindrücken.
00:15:11: Die Eigenschaften oder Anteile in einem die durch ein Schreibworkshop am meisten gefördert werden im positiven Sinne also Selbstwirksamkeit beispielsweise oder Kreativität was denn da so die Erfahrungswerte?
00:15:27: Also... Was ich vorhin schon sagte, ist diese Art von Ich kann mich ausdrücken.
00:15:33: Von dem Punkt aus den nur ich einnehmen kann.
00:15:37: also ich habe diesen uniken Platz im Universum und von dem ausspreche ich und das ist meine Sprecherposition.
00:15:44: was auch immer ich sozusagen erkunden möchte in Sprache ja es Man weiß ja am Anfang nicht, wo man landet.
00:15:52: Jedenfalls häufig nicht oder ich versuche Aufgabenstellungen zu geben, wo dann sozusagen eine Erkundung stattfinden kann in der schriftlichen Sprache, die eine andere ist als in der mündlichen Sprach.
00:16:05: Der Text also geht in Bereiche, die mir vorher eventuell nicht zugänglich waren?
00:16:11: Er hat sozusagen auch wenn er fertig abgegeben ist, hat er auch quasi ein Eigenleben und weiß auch mehr als der Autor, die Autorin.
00:16:19: Das ist einfach so, wenn man auch gerade mit verdichteter Sprache arbeitet.
00:16:23: Dann tritt man von dieser Art Autorenposition zurück zumal eben... Wir hatten das jetzt ein paar Mal hier im Gespräch.
00:16:33: Auch Dinge die ich gesagt habe sind sozusagen bei dir angekommen.
00:16:39: Die erinnerte ich gar nicht mehr weil das halt auch ein flüchtiges Medium ist diese mündliche Sprache.
00:16:44: Es sind immer Augenblickaufnahmen sie sind immer Gefärbt auch von dem Moment, der Umgebung.
00:16:52: Sie sind nicht wiederholbar.
00:16:54: Wir leben in unglaublich vielen Paralleluniversen die möglich sind mit dem Schreiben.
00:17:02: beliebigen Punkt und Ort anfangen.
00:17:05: Und jeweils würden andere Texte sich ergeben, es ist eine Öffnung in dem Moment und man tritt auch wieder zurück als Autor.
00:17:12: Man ist auch nicht der Text.
00:17:13: Der Autor ist nicht der text, ich bin nicht mein Text.
00:17:16: Ich bin nicht meinen Gedicht.
00:17:17: das ist auch ganz wichtig so was man gut und immer wiederholt in den Kursen damit man auch wieder zur Rücktreten kann.
00:17:30: Dann danke ich dir, dass du hier bei uns im Kapitelrauschen-Podcast zu Gast warst.
00:17:34: Vielen Dank für die Einladung!
00:17:36: Hat mir großen Spaß gemacht.
00:17:37: Danke.
00:17:45: Nachdem wir jetzt von Silke über ihr Denken und Schreiben gehört haben wollen wir natürlich auch noch einen kleinen Einblick in ihre Texte bekommen.
00:17:52: dazu hat sie am Ende unserer Aufnahmesession ein paar Texte eingesprochen.
00:17:59: Ich lese für dich drei Texte aus dem Heft stranden, das im letzten Jahr erschienen ist mit Fotos von mir und ich beginne mit dem Text fit.
00:18:12: Wie die Fische auf der Meer starren Die Steine rauschen am Strand Der Pfarrer steht Am Cliff Ostwind und Sonnenschein Die Heringe kommen Die Touristen kommen Die Denkmalpflege ist da Die weiße Farbe Das Betaus leuchtet in der Erinnerung auf flackert warm, wir sind stille, sehen zum Abschied noch einmal auf den heiligen Christophorus.
00:18:39: Er trägt uns durch das kleine Tal die Fitte, Fässer und Salz und wie sich die Grausamkeit des Meeres in Schönheit
00:18:48: umtut.".
00:18:51: Ich les jetzt Die Günderode.
00:19:02: Träumt, schwimmt, liegt im Seichten, dichtet.
00:19:06: Ein zartes hellgrünes Flirren entklammern Spinozausflirren für ihre Augen die zarten Augen.
00:19:14: Das liegt überall dem über dem Schreibzimmer Über den Frauen, die aus Fenstern schauen Auf den Bildern in den versteckten Briefen Eine zarte wilde Handschrift wie falsch entziffert.
00:19:29: Ich lese ein Stück aus dem Kirke-Effekt, das habe ich heute Morgen zufällig aufgeschlagen.
00:19:35: Es ging um einen Gelingen im Gespräch über die Bilder, die verfasst worden waren Launich und Welt.
00:19:41: Es gab einen Augenkontakt – wer wird jetzt anders werden?
00:19:45: Wer wird durch seine Lockerungen durchhalten bis zum nächsten Tag?
00:19:49: Diese Eindrücke setzen sich in das verletzliche Wachs deiner letzten Zeile ein!
00:19:55: Und wie finde ich diese Straße
00:19:56: wieder?".
00:19:57: Wann ordne ich mich ein, wann geht mir der Atem aus?
00:20:01: Ich denke das Gold zu Ende.
00:20:02: Das ergibt eine Aura.
00:20:04: Kleine Dynastien von glücklichen Gründeten eingarten!
00:20:09: Die Pestvögel von Neulich kamen aus der Dunder und aßen die Äpfel vom letzten Jahr.
00:20:16: Wenn der Weg versperrt ist im Traum und das Kind schläft, aquiriere ich eine neue Qualität von Angstlöschern.
00:20:24: Es ergibt schalende Gedankenflöße.
00:20:27: Sie treiben mir quer über den Weg.
00:20:31: Der Mond zieht nach der Blüte ein, es ergibt Schneckenfraß und schwache Träume während so bunter Cocktail aus narrativen Elementen.
00:20:40: Wann wird uns übel?
00:20:41: Ich gewinne meinen Mut aus dem Verblüten Syringen!
00:20:46: Ich kann mich nicht genau erinnern... Das ist eine Krankheit das ist eine Stadt und eine Zuflucht.
00:20:53: Wir verlassen täglich unsere Fahnen und Leute, Schießenpalla in den Himmel.
00:20:59: Danke.
00:21:03: Und wie am Ende jeder Folge sprechen wir auch heute wieder über ein literaturwissenschaftliches Thema.
00:21:09: Dazu hat sich meine Kollegin Marie Zimmer mit Stefan Lesker getroffen und sie haben zusammenüberlegt ist das literarische Schreiben als Handwerk zu betrachten oder als Kunst?
00:21:18: Die Beantwortung dieser Frage könnt ihr jetzt hören!
00:21:32: Hallo und herzlich willkommen Stefan Lesker von der Universität Rostock hier bei Kapitelrauschen.
00:21:37: Hallo,
00:21:37: schön wieder da zu sein!
00:21:38: Wir haben ja jetzt eben viel über Sieg Peters gehört.
00:21:42: sie schreibt ja vor allem Lyrik und Prosa.
00:21:44: manche sagen ja das Schreiben muss gelernt sein während andere glauben man muss es einfach in die Wiege gelegt bekommen haben.
00:21:50: Hätte ich also, nachdem ich in der Grundschule noch fest an mein glorreiches Debüt als Autorin geglaubt habe nicht einfach so aufgeben sollen?
00:21:57: oder waren damals eh schon hopfen ummals verloren?
00:22:01: Das kann ich jetzt nicht beurteilen weil ich ja deine frühen Schreibversuche nicht kenne.
00:22:05: Aber grundsätzlich ist es so dass diese Diskussion um ist das Kunst und wenn ja kann man das lernen oder muss man das überhaupt lernen?
00:22:12: oder lasst man sich einfach inspirieren.
00:22:14: Das ist eigentlich eine Diskussion über die schon immer nachgedacht wurde von der Antike bis in die Gegenwart Also praktisch seit Aristoteles Poetik, dreihundert und dreißig vor Christus.
00:22:26: Gibt es so eine Art Regelpoetik?
00:22:29: Das sind also Texte die Prinzipien kreativen Schreibens kommunizieren und Regeln eigentlich darstellen, die beim kreativem Schreiben gelten sollen oder nicht.
00:22:40: Seit Aristotelis ist es im abendländischen Diskurs Der von der Vorstellung geprägt ist, dass man künstlerische Schreiben didaktisch vermitteln kann und das es im Prinzipien gäbe den gute Kunst folgen soll.
00:22:54: Zum Beispiel hohe Stilebenen oder niedrige Stilebnen.
00:22:58: also eine Tragödie sollte doch bitte in einem hohen Stil sein während einer Co-Myth ja auch ein bisschen umgangssprachlicher sein kann.
00:23:04: So was in der Art gibt es natürlich auch im deutschen Sprachraum, da entstanden wichtige Regelpoetiken so in der Zeit des Barock und eine der wirkmächtigsten war das Buch von der Deutschen Poetry von Martin Opitz.
00:23:16: In der unter anderem ja Regeln formuliert werden wie in der deutschen Sprache Gedichte auszusehen haben.
00:23:22: zum Beispiel wird dort ein Fersmaß empfohlen dass für die deutsche Sprache besser wäre als einfach die Metren des griechischen und lateinischen nachzuahmen.
00:23:32: Dieses Buch war eben so wirkmächtig, dass das ein Ideal kommuniziert hat, den man entsprechen musste.
00:23:38: Wenn die eigenen Werke als Kunst anerkannt werden sollten also wenn man diesen Regeln folgt was Kunst und dann was künstlerisch wertvollen waren das schöne Texte gute Texte wenn nicht ihm nicht.
00:23:51: Dieses Denken hat eigentlich so im achtzenden und neunzehnten Jahrhundert dann eine Ergänzung bekommen.
00:23:56: Da hat man sich sofort in einer regelgeleiteten Auffassung von Kunst gelöst, und so Werte wie Kreativität, Inspiration, Spontanität und Originalität in den Vordergrund gestellt.
00:24:06: Besonders in der Jugendbewegung des Sturm- und Drangen zu dem auch ja der junge Gültige hörte wurde der Begriff des Genies kultiviert.
00:24:14: über den hatten wir schon mal eine Sendung gemacht.
00:24:16: also ein Genie ist etwas oder jemand der Autonom allein aus sich heraus Kunst schafft und so auch berechtigt ist, genialerweise von konventionellen Formen und Normen abzuweichen.
00:24:27: Ja genau also diese Diskussion um Regeln oder Kreativität in der Kunst Die gibt es im Prinzip seit des Literatur, seit des Kunstgibt.
00:24:37: und in der gegenwärtigen Diskussion könnte man sagen dass da auch immer mehr so monetäre Interessen eine Rolle spielen.
00:24:43: In dem Begriff oder in der Diskussion was Kunst ist und ob sie erlernbar ist oder nicht?
00:24:49: Wenn man jetzt heutzutage Autorin oder Autor werden will, was würdest du sagen, ist heutzutetagesolz Ansicht verbreitet?
00:24:57: kann man das erlernen oder muss man's einfach können?
00:24:59: Das kommt jetzt immer darauf an wen man fragt.
00:25:01: Also es gibt ja mittlerweile eine ganze Industrie, die davon lebt oder von der Vorstellung lebt das man Kunst und gute Literatur lernen kann.
00:25:12: Also einer der größten Anbieter für Creative Writing-Kurse in Deutschland wirbt auf der Website mit dem Slogan Kreatives Schreiben Lernen an Deutschlands größte Autorenschule.
00:25:20: Das regt zur Skepsis an.
00:25:22: Kann man kreativit lernen?
00:25:23: Ist Inspiration planbar Oder noch radikale gedacht?
00:25:27: braucht man das gar nicht.
00:25:29: Und funktioniert kreative Schreiben ausschließlich nach Mustern, die erlernbar sind.
00:25:33: Wenn man jetzt aber Autorinnen und Autoren fragt dann kriegt man meistens eine andere Antwort.
00:25:37: Die würden natürlich nie sagen das ist reines Handwerk was ich da mache Sondern Inspirationen Originalität sind immer noch Dinge mit denen sich Autoren und Autorn manchmal auch gerne schmücken um dem Dichterischen schaffen etwas an Mystik und Aura zu belassen.
00:25:52: Am Ende jedoch so als Benjamin von Stuckrad Barre selbst sehr erfolgreicher Outer einmal zusammengefasst ist Auch das Schriftsteller.
00:25:58: da sind ein Beruf und in einem Beruf steckt Arbeit.
00:26:02: Stuckhardt Barats an so formuliert, man sitzt ein paar Stunden am Schreibtisch hasst sich selbst und tippt das dann in die Tastaturen.
00:26:10: also von dieser Vorstellung es gibt Regeln lebt mittlerweile der ganze Industrie Und da muss man sich immer vergegenwärtigen dass Man mit dem schreiben natürlich Geld verdienen kann.
00:26:22: ja wer sein Geld aber ausschließlich damit verdienen will Der muss schon verdammt erfolgreich sein.
00:26:27: Wenn man bedenkt, dass die Arbeit an einem Roman oder Lyrikband in der Regel Jahre dauert und dann wenn es fertig ist brauchen wir noch das Glück einen Verlag zu finden.
00:26:36: Und selbst wenn man das gemacht hat – und gut verhandelt hat – kriegt man fünf bis zehn Prozent des Ladenpreises pro verkauft im Buch!
00:26:44: Das sind bei einer Hardcover-Ausgabe diese so zwanzig bis fünfundzwanzig Auguste zwei Euro.
00:26:49: Da kann man sich ungefähr ausrechnen wie viele Bücher man verkaufen muss um für diese jahrelange Arbeit halbwegs angemessen entlohnt zu werden.
00:26:56: Und obwohl das so ist, gibt es diese große Industrie die an dem Versprechen verdient dass jenige vermitteln zu können.
00:27:01: Dass sie es braucht um beispielsweise einen guten Roman zu schreiben.
00:27:04: Es gibt Schreibschulen und eine ganze Menge andere Art Geberlitter oder Instagram und TikTok Tutorials.
00:27:11: Warum ist das so wenn man damit kaum Geld verdienen kann?
00:27:15: Also warum verbringt man seine Zeit mit etwas das nicht zum monetären Wohlstand führt?
00:27:21: Ganz einfach, weil Kultur immer die Summe der Geschichten ist.
00:27:24: Die man sich in ihr erzählt und das Bedürfnis eine Geschichte zu erzählen Das haben erst mal ganz viele Menschen.
00:27:30: Und sie auf den Weg dazu zu bringen, dass es eigentlich eine ganz tolle Aufgabe und das habe ich auch selbst ein paar Jahre gemacht.
00:27:37: Aber man sollte eben nicht die Illusion vermitteln das gutes Handwerk reicht um eine Geschichte Zu erzählen und auf dem Literaturmarkt erfolgreich zu sein.
00:27:44: Ich würde nämlich sagen es braucht immer beides.
00:27:46: Wir brauchen einerseits gute Ideen, wir brauchen Inspiration ohne die ein Roman, ein Gedicht auf der Strecke bleibt in Sackgassengeräte aus denen eben nur gute Einfälle wieder heraushelfen.
00:27:55: Und das finde ich lässt sich schwer lernen!
00:27:58: Wer aber das Handwerk dazu nicht beherrscht?
00:28:01: Beispielsweise nicht weiß wenn man eine Ich-Perspektive gegenüber einer auktorialen Sichtweise bevorzugen soll was einen Jambus mit einem Höreindruck eines Gedichts im Vergleich zu Herrn Trocheos macht.
00:28:10: Wenn man das alles nicht weiß dann wird man auch vielleicht keine guten Texte zu Wege bringen Trotz aller Inspiration.
00:28:17: Was nicht heißt, dass das Schreiben natürlich durch Regeln eingeschränkt werden soll aber man muss Regeln kennen um sie dann auch geniehaft brechen zu können.
00:28:25: Es bleibt also weiterhin offen.
00:28:27: Vielen Dank Stefan für deine literaturwissenschaftliche Perspektive.
00:28:31: Sehr gern
00:28:35: Und das war's auch schon wieder mit dieser Folge von Kapitelrauschen dieses Mal mit Silke Peters.
00:28:40: Wenn ihr immer up to date bleiben wollt Mit den aktuellsten Folgen Dann folgt uns auch gerne auf Instagram.
00:28:45: Er findet uns dort einfach als Kapitel Rauschen.
00:28:48: Ich bin Lisa Gerlach und ich sage danke fürs Lauschen.
00:28:50: Bis zum nächsten
00:29:08: Mal!